MZ-ATC ist ein Fluglotsenspiel direkt im Browser - und eine Zeitreise. Das Original habe ich als Kind am Schneider CPC 464 gespielt, auf dem Grünmonitor, wie damals üblich Zeile für Zeile aus einer Zeitschrift abgetippt. Jetzt habe ich es nachprogrammiert: mit Claude Code und dem Fable-5-Modell, in HTML, CSS und JavaScript - ohne Framework, ein Canvas im 80x25-Zeichenraster des CPC.

Das Spiel läuft direkt hier auf der Seite. Bildschirm anklicken, dann führt die eingebaute Anleitung durch alles Weitere. Du leitest bis zu 10 Maschinen durch den Luftraum um Frankfurt/Main: Wer nach Frankfurt will, muss auf 2000 Fuss durch das Landefenster - alle anderen verlassen den Radar mit dem richtigen Kurs durch die passende Lücke im Kartenrand.

Bildschirm anklicken, dann Tastatur benutzen
MZ - Air Traffic Control V1.0 · Bildschirm anklicken und Taste drücken

Ein Stück Kindheit am Grünmonitor.

Wer in den Achtzigern einen Heimcomputer hatte, kennt das Ritual: Zeitschrift aufschlagen, BASIC-Listing abtippen, Tippfehler suchen, abspeichern auf Kassette - und dann endlich spielen. Von all den Programmen aus dieser Zeit ist mir eines am stärksten in Erinnerung geblieben: ein Fluglotsenspiel. Ein Radarschirm aus feinen Linien, kleine Vierecke mit Nummern, die sich im Sekundentakt über die Karte schieben, rechts eine Spalte mit Kurs, Geschwindigkeit und Höhe. Keine Grafik-Explosionen, kein Sound-Spektakel - nur Verantwortung für zehn Maschinen und die stille Panik, wenn sich zwei davon zu nahe kommen.

Dieses Spiel hat mich nie ganz losgelassen. Also habe ich es zurückgeholt.

Nachprogrammiert mit Claude Code und Fable 5.

Der Anlass war ein Ablaufdatum: Claude Code mit dem Fable-5-Modell lässt sich nur noch heute nutzen. Und wenn ein Werkzeug einen letzten Tag hat, will ich den nicht mit Routine verbringen - ich wollte etwas Cooles damit machen. Die Wahl fiel schnell: das Fluglotsenspiel aus Kindertagen, das seit Jahrzehnten in meinem Kopf herumfliegt.

Abgetippt habe ich diesmal nichts. Ich habe per Hand programmiert und mich von Claude Code mit dem Fable-5-Modell unterstützen lassen: die Radarkarte mit den Übergabefenstern im Kartenrand, das Höhendiagramm, die Flugphysik mit Drehraten, Steig- und Sinkflug, die Einzeltasten-Befehle, Computerausfälle, Kollisionswarnung und Auswertung. Gerendert wird alles auf ein einziges Canvas, im originalen Mode-2-Raster des CPC: 80 Spalten, 25 Zeilen, 640 mal 400 Bildpunkte.

Und ich sage es so deutlich, wie ich es empfinde: Fable 5 in Claude Code ist das Beeindruckendste, womit ich je programmiert habe. Das Modell versteht nicht nur, was ich schreibe - es versteht, was ich meine. Ich sage „Grünmonitor wie damals", und da ist er: Phosphorschimmer, Scanlines, das leise Glühen der Schrift. Ich sage „Frankfurt-Hahn statt München" - der liegt hier in Rheinland-Pfalz quasi vor der Haustür - und wenige Minuten später ist die komplette Karte umgebaut, mit allen Routen, Fenstern und Kursen. Kein Suchen in Foren, kein Dokumentation-Wälzen, kein zäher Kleinkram. Nur Idee, Zuruf, Ergebnis.

Der Moment, der mich wirklich umgehauen hat: Ich habe nur gefragt, ob die Flughäfen eigentlich richtig liegen. Claude Code hat daraufhin für jeden einzelnen Flughafen die echte Peilung ab Frankfurt nachgerechnet und dabei selbstständig Fehler in der eigenen Karte gefunden - Prag liegt von Frankfurt aus fast exakt östlich [Kurs 090], Zürich fast exakt südlich [180]. Es hat die Karte korrigiert, und seitdem sitzt jedes Ziel dort, wo es wirklich liegt: Amsterdam perfekt im Nordwesten, Frankfurt-Hahn perfekt im Westen. Für die frei gewordenen Fenster hat Fable 5 gleich passende Kandidaten vorgeschlagen: Berlin und Madrid, beide auf ihrer echten Peilung. Berlin und Hahn gab es damals übrigens noch gar nicht - der BER öffnete erst 2020, und Hahn war in den Achtzigern Militärflugplatz - aber ich fand es sinnvoll, sie aufzunehmen: Die Karte zeigt den Luftraum von heute. Jede Kurszahl auf der Karte ist jetzt Geografie, keine Dekoration. Ein Werkzeug, das die eigene Arbeit gegen die Wirklichkeit prüft - das hatte ich so noch nicht.

Was damals Wochen gedauert hätte - abtippen, verstehen, umbauen - war jetzt ein Abend programmieren. Ein Abend, an dem eine Sache nach der anderen auf Anhieb lief. Das ist für mich der Punkt dieses Projekts: Die KI ersetzt nicht die Idee und nicht die Erinnerung. Aber sie macht den Weg von der Erinnerung zum lauffähigen Programm absurd kurz - und sie macht dabei so viel Freude, dass ich am liebsten sofort das nächste Spiel aus meiner Kindheit zurückholen würde.

Was anders ist als damals.

  • Frankfurt/Main ist das Zentrum, gelandet wird durch das Viereck vor der Landebahn. Frankfurt-Hahn [HHN, Kurs 270] ist ein eigenes Ziel.
  • Elf Übergabeziele, alle auf echten Peilungen: Amsterdam 312, Hamburg 010, Berlin 046, Prag 090, Wien 108, München 125, Rom 163, Zürich 180, Madrid 219, Paris 256, Hahn 270.
  • Die Flotte ist auf Stand 2026: A320, B738, A330, A359, B748, B77F-Frachter, Pilatus PC-12 und ATR 72 - statt B727, A300 und MD-10.
  • Zwei Monitor-Modi: Phosphorgrün wie am Schneider GT65 - oder Schwarz, Weiss, Rot, passend zu meiner Homepage, auf der das Spiel läuft.
  • Die Töne sind mit WebAudio dem AY-Soundchip nachempfunden. Man kann auch direkt eine Auswertung am Bildschirm am Ende des Spiels sehen.

Steuerung.

Alle Eingaben sind einzelne Tastendrücke, genau wie am CPC. Zuerst die Flugzeugnummer 1-9 [0 steht für Maschine 10], dann der Befehl:

  • h - Kurs ändern: danach l für links oder r für rechts, dann drei Ziffern. Beispiel: 5 h r 090
  • v - Geschwindigkeit: drei Ziffern in Knoten, minimal 120. Beispiel: 1 v 480
  • a - Flughöhe: zwei Ziffern in 1000 Fuss, 02 bis 17. Beispiel: 0 a 08
  • l - Linie zwischen Maschine und Höhendiagramm, q - Eingabe abbrechen, k - Luftkorridore, e - Ende und Auswertung

Zwei Maschinen brauchen 400 Fuss Höhenabstand oder 4 Bildpunkte seitlichen Abstand - sonst kollidieren sie. Und wenn der Schirm plötzlich dunkel wird: Das ist der Computerausfall. Die Maschinen fliegen unsichtbar weiter, deine Befehle kommen trotzdem an.