Eine echte Kleinstadt in einem engen Flusstal, maßstabsgetreu in 3D - jedes Haus mit seiner echten Dachform, jeder Bach, jeder Steinbruch. Und mittendrin: Sie, als frisch gewählter Bürgermeister. MZ-Stadt ist ein Aufbauspiel im Browser, aber vor allem war es für mich eines: die perfekte Ausrede, mich in einen ganzen Stapel neuer Programmiertechniken einzuarbeiten - amtliche Geodaten, 3D-Rendering mit Three.js, Verkehrssimulation. Welche Stadt das Vorbild ist, verrate ich übrigens nicht - und ja, das wird langsam zum Running Gag: Schon bei MZ-DOOM habe ich sie nicht verraten. Es ist dieselbe Stadt. Wer sie kennt, erkennt sie in Sekunden.
Direkt losspielen.
Maus [oder Finger am Handy]: ziehen zum Schwenken, zwei Finger oder Mausrad zum Zoomen. Oben in der Leiste regieren Sie: Rathaus öffnen, Entscheidungen treffen, Quartal beenden. Der Knopf rechts unten schaltet auf Vollbild - und wieder zurück.
Worum es mir ging.
Primär ging es mir nicht um das Spiel, sondern um das Lernen. Ich wollte wissen, wie man amtliche Geodaten in den Browser bekommt: LOD2-Gebäudemodelle im CityGML-Format, ein Laser-Geländemodell mit einem Meter Auflösung, Luftbilder über WMS-Dienste, Straßen und Flüsse aus OpenStreetMap. Dazwischen liegt eine ganze Werkzeugkette, die ich vorher noch nie gebaut hatte: Koordinatentransformationen, Polygon-Triangulation, Höhenraster, Datenkompression fürs Web - und am Ende Three.js, das aus alldem eine Stadt macht, die man anfassen möchte.
Gebaut habe ich das nicht allein: Zum Einsatz kam wieder KI. Vor ein paar Wochen habe ich noch geschrieben, dass sie mein Programmiertempo verzehnfacht - inzwischen bin ich locker hundertmal so schnell.
Und ich lehne mich mal aus dem Fenster: Ich sehe nicht, dass man in wenigen Monaten noch Junior-Entwickler oder klassische Entwicklerteams braucht. Ein Senior Developer mit einer Armee von KI-Agenten ersetzt ein ganzes Team. Die eigentliche Aufgabe verschiebt sich - man muss am Ball bleiben und die KI beherrschen. Nicht umgekehrt.
Eine Stadt aus offenen Daten.
Das Erstaunlichste an diesem Projekt: Alles ist frei verfügbar. Das Land stellt sämtliche Gebäude als 3D-Modelle mit standardisierten Dachformen bereit, dazu ein Geländemodell aus Laserscan-Befliegung, in dem sogar die Abbauterrassen des Steinbruchs stecken. OpenStreetMap liefert Straßen, Bäche, Spielplätze und die Information, wo die Feuerwehr wohnt. Aus diesen Zutaten entsteht die Stadt im Spiel - nicht ungefähr, sondern auf den Meter genau. Als der Steinbruch im Modell zum ersten Mal grau eingefärbt war und seine Felswände plastisch aus dem Hang traten, war das einer dieser Momente, für die man solche Projekte macht.
Die Brücke, die es nicht gibt.
Ein Bauwerk im Spiel ist erfunden: die Bürgermeister-Wagner-Brücke, benannt zu Ehren eines Bürgermeisters, der diese Stadt über viele Jahre positiv geprägt hat. Sie verbindet eine bestehende Brücke am Fluss direkt mit der Bundesstraße B41 oben am Hang - und war das mit Abstand kniffligste Stück des Projekts. Denn die Bundesstraße liegt 36 Meter über dem Tal: Eine gerade Rampe hätte 37 Prozent Steigung gehabt. Die Lösung ist eine S-Kurve den Hang hinauf, Station für Station gegen das Laser-Geländemodell gerechnet, mit Brückenfeld über die Gärten und planierter Hangtrasse.
Perfekt war sie damit noch lange nicht - ich musste unzählige Male nachbessern. Mal war die Rampe zu steil, und die Autos rutschten den Hang eher hinunter, als dass sie fuhren. Mal saß der Anschluss an die B41 endlich exakt - dafür kam man plötzlich nur noch aus einer Richtung in die Stadt, sodass oben zusätzlich ein Kreisverkehr her musste. Und kaum stand der, fuhren die Autos links herum hindurch. Brückenbau ist Iterationsarbeit, habe ich gelernt - auch der virtuelle.
Das Schönste daran: Weil der Verkehr in der Stadt durchgehend simuliert wird, konnte ich die Wirkung direkt beobachten. Kaum war die Brücke offen, verteilten sich die Autos neu - die Staus in der Innenstadt wurden sichtbar weniger, der Weg vom Krankenhaus zur B41 kürzer. Einzig die Fahrer auf der Bundesstraße dürften den neuen Kreisel etwas nervig finden, der ihre freie Fahrt jetzt unterbricht. Man baut eine erfundene Brücke, schaut dem Verkehr beim Umverteilen zu - und ertappt sich bei dem Gedanken: Eigentlich müsste die mal jemand wirklich bauen.
Das Spiel.
Gespielt wird in Quartalen, beginnend mit der feierlichen Einweihung der Brücke im Jahr 2026. Sie verwalten Kasse, Einwohner und Zufriedenheit, stellen den Steuerhebesatz ein, halten elf Einrichtungen offen [oder schließen sie, wenn das Geld knapp wird - es wird knapp] und entscheiden Projekte: Glasfaser mit jahrelangen Baustellen oder lieber Satelliten-Internet? Alle acht Jahre ist Wahl. Wer dreimal wiedergewählt wird, stellt nach 24 Jahren den Amtszeit-Rekord des Namensgebers der Brücke ein. Wer die Kasse ruiniert, bekommt Besuch von der Kommunalaufsicht.
Dazwischen: unzählige zufällige Ereignisse, jedes Quartal eines. Ein Schlagloch mit eigenem Namen und Google-Bewertung. Ein Alpaka, das die Polizei drei Stunden beschäftigt. KI-Rasenmähroboter, die sich vernetzen und aggressiv Beethoven piepen. Und natürlich das Sperrgebiet im Westtal, über das niemand spricht, aus dem aber gelegentlich Umschläge ohne Absender im Rathaus ankommen. Mein Lieblingsmoment: Die Kamera zoomt Richtung Weltall, und ein abgefangener Funkspruch erklärt, warum die Besucher ausgerechnet hier gelandet sind - die Siedlungsform sehe aus dem Orbit exakt aus wie ein Atompilz. Ich habe es überprüft. Sie haben nicht ganz unrecht.
Der Blogger aus der Nachbarstadt.
Eine Randfigur im Spiel ist der namenlose Blogger aus der Nachbarstadt, der zu jedem Thema einen bissigen Beitrag schreibt und dabei zuverlässig an der Beliebtheit des Bürgermeisters sägt [„Der Kreisel ist rund. Das ist das Positivste, was mir zu dieser Stadt einfällt.“]. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Die echten Blogger aus der Gegend lese ich sehr gerne und regelmäßig. Die Spielfigur ist eine liebevolle Karikatur und ausdrücklich als Kompliment gemeint. Die klassischen Lokalzeitungen berichten seit Jahren kaum noch umfassend aus unserer Gegend - Orte wie dieser tauchen dort höchstens noch am Rande auf. Genau diese Lücke füllen die Blogger. Ohne Lokaljournalismus dieser Art wüsste man über die eigene Region viel zu wenig.
Eine Regel habe ich mir beim Schreiben der Ereignisse übrigens fest vorgenommen: Die Witze gehen immer nur auf Kosten derer, die es vertragen - des Bloggers, der Aliens, der Verwaltung oder des Bürgermeisters, also des Spielers selbst. Niemals auf Kosten echter Menschen und Gruppen: nicht der Gastronomen, nicht der Vereine, nicht der Händler. Wer in einer Kleinstadt ein Lokal führt, einen Verein am Leben hält oder einen Laden aufmacht, hat meinen vollen Respekt. Ich bin froh, dass es sie gibt - und ich möchte, dass sie Erfolg haben.
Und noch etwas steckt im Spiel: versteckte Lokal-Anspielungen, die nur Einheimische finden werden. Sie spielen auf Diskussionen an, die in der Stadt gerade wirklich geführt werden. Beispiel: Nach wochenlangem Dauerregen machte hier allen Ernstes die Meldung die Runde, der Hundstallbach sei ausgetrocknet - was er selbstverständlich nicht war. Im Spiel habe ich sein Bachbett deshalb kurzerhand von der Friedrich-Ebert-Straße wegverlegt. Jetzt stimmt es wenigstens: Dort läuft wirklich nichts mehr lang. Dieses Beispiel habe ich verraten - der Rest liegt gut versteckt im Spiel und wartet darauf, gefunden zu werden.
Die Technik.
MZ-Stadt ist eine komplett statische Webseite: HTML, CSS, JavaScript und Three.js als lokale Datei - kein Build-Schritt, kein Server, kein Framework. Gespeichert wird nichts: keine Cookies, kein lokaler Speicher - jeder Aufruf startet ein frisches Spiel. Es läuft am Rechner genauso wie am iPhone - dort schwenkt man mit dem Finger durchs Tal.
Datenquellen.
Geobasisdaten [3D-Gebäudemodelle LOD2, Digitales Geländemodell DGM1, Digitale Orthophotos]: © GeoBasis-DE / LVermGeoRLP [2026], Datenlizenz Deutschland - Namensnennung - Version 2.0. Straßen, Gewässer und Punktdaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende, Open Database License [ODbL]. Alle im Spiel erfundenen Bauwerke, Firmenansiedlungen, Personen und Ereignisse sind Fiktion und Satire.