MZ-SuperSaturn ist ein Spielautomat direkt im Browser - und noch einmal eine Zeitreise. Das Original lief in den Achtzigern auf dem Amstrad Schneider CPC 464, wie damals üblich Zeile für Zeile abgetippt: ein einarmiger Bandit mit fünf Anzeigen, Saturn-Symbolen, Risiko-Leiter und Sonderspielen. Jetzt habe ich auch dieses Stück Vergangenheit zurückgeholt: in HTML, CSS und JavaScript - ohne Framework, ein Canvas im 40x25-Zeichenraster des CPC, in Phosphorgrün wie am Grünmonitor GT65.
Das Spiel läuft direkt hier auf der Seite. Bildschirm anklicken, Leertaste drücken, los geht es: Einsatz 30 Pfennig, Startkapital 5,30 DM - gespielt wird selbstverständlich in D-Mark, alles Spielgeld und keine echten Gewinne. Am iPhone übernehmen die Tasten unter dem Monitor.
Fünf Anzeigen und eine Leertaste.
Die Mechanik ist herrlich einfach und ganz die eines deutschen Geldspielautomaten jener Jahre: Fünf Anzeigen losen Geldbeträge aus, alles wird mit einer einzigen Taste gestartet und gestoppt. Die beiden linken Anzeigen dürfen einmal nachgestartet werden - dafür bleiben vier Sekunden Zeit, genau wie am Original. Zeigt die Mitte denselben Betrag wie zwei der äußeren Anzeigen, wird er gutgeschrieben. Erscheint der Saturn in der Mitte, gibt es 3 DM.
Richtig spannend wird es bei drei Saturn-Symbolen: Dann läuft das Lauflicht über die Risiko-Leiter am rechten Rand und lost aus, wie viele Sonderspiele es gibt - bis zu 21 Stück. In der Sonderspielserie wird jeder Gewinn auf 3 DM aufgewertet, und der Zähler im kleinen Fenster tickt Runde für Runde herunter. Wer den Münzspeicher leerspielt, bekommt die trockene Auskunft, dass der Automat leider keinen Kredit geben kann.
Der Saturn selbst ist übrigens das Original-Symbol: acht Byte Pixeldaten, der Planet mit seinem schräg gestellten Ring, hier Pixel für Pixel auf das Canvas übertragen. Auch die Doppelrahmen der Anzeigen, die Verbindungslinien und die Risiko-Leiter folgen den Original-Koordinaten. Und falls sich jemand wundert: Der Name ist reine Astronomie. Mit dem Elektronikmarkt gleichen Namens oder einer gewissen Spielkonsole der Neunziger hat dieses Spiel nichts zu tun - hier dreht nur der Planet mit seinem Ring seine Runden.
Was anders ist als damals.
Beim Nachbauen zeigte sich, dass das alte Programm ein paar echte Fehler hatte - und die wollte ich nicht mitschleppen:
- Die Risiko-Leiter zahlte auf zwei Stufen weniger aus, als auf der Leiter stand: Wer auf der 5 landete, bekam nur 3 Sonderspiele, wer auf der 3 landete, nur 2. Jetzt zahlt jede Stufe genau das, was angezeigt wird.
- Ein Teil des Sounds war stumm: Die Tonfolge für zwei der Anzeigen steckte in einer Schleife, die rückwärts zählen sollte, es aber nie tat - sie wurde schlicht übersprungen. Die fallenden Töne sind jetzt zu hören, so wie sie gedacht waren.
- Eine Anzeige druckte in einem Sonderfall den Wert der falschen Nachbar-Anzeige auf den Bildschirm. Auch das ist bereinigt.
Eines habe ich dagegen bewusst nicht angerührt: Der Automat ist erstaunlich spendabel. Der Saturn in der Mitte kommt statistisch in jedem achten Spiel und zahlt das Zehnfache des Einsatzes - auf Dauer wächst der Münzspeicher also eher, als dass er schrumpft. Ein echter Automat wäre damit pleite gegangen. Aber genau diese Großzügigkeit gehört zum Charme des Originals, und bei Spielgeld darf der Hausvorteil ruhig beim Spieler liegen.
Daraus ergibt sich die eigentliche Herausforderung an diesem Automaten, und die ist ernst gemeint: alles Geld verlieren. Das klingt einfach und ist richtig schwer, denn die Gewinne kommen schneller nach, als die 30 Pfennig Einsatz das Kapital abtragen. Wer es bis zur Meldung schafft, dass der Automat leider keinen Kredit geben kann, hat hier das seltenste Ereignis von allen erlebt.
Steuerung.
Leertaste- startet und stoppt die Anzeigen, hält das Lauflicht im Risiko anJ/N- neues Spiel oder Schluss, wenn der Münzspeicher leer ist- Nach jedem Ergebnis ist eine kurze Pause eingebaut, damit nichts versehentlich weggedrückt wird